Wenn man Flaschen mit der Öffnung zuerst in den Container einwirft, läuft einem nichts über die Hände. Bier- und Weinflaschen haben keinen Deckel. Schnapsflaschen schon. Das sind Dinge, die Kim und Noe schon mit neun Jahren wissen, als sie sich zum ersten Mal am Altglascontainer treffen. Beide sind beladen mit schweren Tüten voller Flaschen und der ganzen Last, die man trägt, wenn man Kind alkoholkranker Eltern ist. Eine Last, die beide verbindet, ein Geheimnis, das für diesen gemeinsamen Moment am Tag ein klein wenig leichter wird. Sie teilen ihre Ängste miteinander, ihre Wut, aber auch ihre Träume und Wünsche. Und auch wenn ihre Situationen sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden, merken sie doch, wie gut es ihnen tut, eine Art Verbündeten gefunden zu haben. Zusammen entwickeln sie Strategien, um den Dämon zu vertreiben, von dem ihre Eltern besessen sind – oder ist es ein Dschini, den man in eine leere Schnapsflasche sperren und vernichten kann? Leider ist es in Wahrheit nicht so einfach und so werden die beiden älter und müssen eigene Kämpfe kämpfen. Sie streiten sich, verzeihen sich und schmieden Pläne, die niemals Wirklichkeit werden, weil immer alles anders kommt und alles sich verändert. Und so verlieren sich die beiden über die Jahre und finden sich wieder. Immer am Container, immer zu zweit, denn egal, wie unterschiedlich ihre Leben verlaufen, hier sind sie sicher – und zusammen.
Rebecca C. Schnyders Jugendstück „begleitet Kim und Noe auf ihrem Weg vom Kindsein ins Teenageralter und zeigt eindringlich, was es bedeutet, mit suchtkranken Eltern aufzuwachsen. Sensibel und zugleich kraftvoll erzählt es von Verantwortung, Loyalität und der Sehnsucht nach Normalität – vor allem aber von einer Freundschaft, die Halt gibt, wenn alles andere ins Wanken gerät.“ (Aus der Jurybegründung zum Kathrin-Türks-Preis)